Das ist der Unterschied zwischen Alzheimer und Demenz

Isabell Jungesblut

Das ist der Unterschied zwischen Alzheimer und Demenz

Isabell Jungesblut
Wenn ein vertrauter Mensch vergesslicher wird, sich anders verhält oder im Alltag unsicherer wirkt, verunsichert das verständlicherweise. Vielleicht sind Ihnen dabei schon die Begriffe Demenz oder Alzheimer begegnet – und Sie fragen sich, ob das für Ihre Situation wichtig sein könnte. Diese Gedanken haben viele Angehörige.

Irgendwann stellt sich fast jeder die Frage: Was bedeutet das eigentlich – und wie unterscheidet sich das voneinander?

Weil die Begriffe im Alltag oft vermischt werden, kann ein einfaches Grundverständnis viel Klarheit bringen. Es nimmt Unsicherheit aus der Situation und hilft Ihnen, Veränderungen besser zu erkennen und einzuordnen.

Der Unterschied zwischen Alzheimer und Demenz – einfach formuliert

Viele Angehörige hören die Begriffe Alzheimer und Demenz häufig im selben Zusammenhang. Kein Wunder, dass dabei schnell Unsicherheit entsteht. Deshalb lohnt sich ein kurzer Blick auf die wichtigsten Unterschiede:

Demenz beschreibt zunächst einen Zustand: Das Denken, Erinnern und der Alltag sind dauerhaft beeinträchtigt. Dieser Zustand kann durch verschiedene Erkrankungen entstehen – deshalb ist Demenz ein Oberbegriff.

Alzheimer hingegen ist eine bestimmte Erkrankung, also eine klare Diagnose. Und: Sie ist die häufigste Ursache für eine Demenz. Bei Alzheimer lagern sich bestimmte Eiweiße im Gehirn ab. Dadurch werden Nervenzellen geschädigt und typische Symptome entstehen – meist zuerst im Gedächtnis.

Ein Vergleich macht es noch deutlicher: So wie „Obst“ ein Sammelbegriff ist und „Apfel“ nur eine Sorte davon, verhält es sich auch mit Demenz und Alzheimer.

Jede Alzheimer-Erkrankung ist eine Demenz – aber nicht jede Demenz ist Alzheimer.

Für den Alltag heißt das: Wenn sich Ihr Angehöriger verändert, muss es nicht automatisch Alzheimer sein. Es lohnt sich also immer, genau hinzuschauen und eine fachärztliche Abklärung zu suchen – damit Sie verstehen, was wirklich dahintersteckt.

Alzheimer – die häufigste Form der Demenz

Die Erkrankung Alzheimer‑Krankheit (kurz Alzheimer) zählt zu den häufigsten Ursachen von Demenz und macht nach aktuellen Studien etwa zwei Drittel aller Demenzfälle aus. 

Im Gehirn von Menschen mit Alzheimer lagern sich bestimmte Eiweiße – insbesondere das Beta-Amyloid und das Tau-Protein – ab.

Diese Ablagerungen stören die Kommunikation zwischen Nervenzellen, führen zu ihrem Verlust und damit zu den typischen Symptomen. 

Typische Merkmale von Alzheimer sind:

  • ein schleichender Beginn, bei dem erste Veränderungen kaum auffallen,
  • ein langsamer, stetiger Verlauf, bei dem sich die Symptome über Monate oder Jahre allmählich verstärken,
  • frühe Gedächtnisstörungen, zum Beispiel dass Gespräche oder neue Ereignisse sehr schnell wieder vergessen werden,
  • im weiteren Verlauf ein zunehmend eingeschränktes Alltagsleben, beispielsweise Probleme bei der Organisation von Tätigkeiten oder beim selbständigen Entscheiden.

Andere wichtige Demenzformen – besonders die vaskuläre Demenz

Seniorin versucht sich trotz Alzheimer zu erinnern
Neben Alzheimer ist die vaskuläre Demenz die zweithäufigste Form. Sie entsteht durch Durchblutungsstörungen im Gehirn, zum Beispiel nach kleinen Schlaganfällen.

Ein wichtiger Unterschied zu Alzheimer liegt im Verlauf:

  • Alzheimer beginnt meist langsam und betrifft früh das Gedächtnis.
  • Vaskuläre Demenz beginnt eher plötzlich oder stufenweise und zeigt sich häufiger in Aufmerksamkeit, Planung und Konzentration.

Viele Betroffene entwickeln auch eine Mischdemenz, also eine Kombination aus beiden Formen.

Woran Sie Alzheimer und andere Demenzformen erkennen

Für viele Angehörige ist es schwer einzuschätzen, ob erste Veränderungen noch zur normalen Vergesslichkeit gehören oder ob sich tatsächlich eine Demenz entwickeln könnte. 

Ein guter Hinweis ist immer:
Bleiben die Veränderungen über längere Zeit bestehen – und erschweren sie den Alltag spürbar?

Wenn es Alzheimer sein könnte

Die typischen frühen Alzheimer-Anzeichen haben Sie bereits kennengelernt: Sie betreffen meist zuerst das Gedächtnis, entwickeln sich schleichend und fallen oft dadurch auf, dass Gespräche oder neue Informationen schnell wieder vergessen werden.

Wenn es eine andere Demenzform sein könnte

Nicht jede Demenz beginnt mit Gedächtnislücken. Besonders bei vaskulärer oder Mischdemenz bemerken Angehörige häufig zuerst:

  • Schwierigkeiten, Abläufe oder Termine zu planen,
  • eine spürbare Veränderung im Verhalten oder in der Stimmung,
  • Probleme im Haushalt oder bei der Orientierung,
  • zunehmende Sprach- oder Konzentrationsschwierigkeiten.

Diese Veränderungen können – je nach Ursache – plötzlich, stufenweise oder ebenfalls schleichend auftreten.

Wichtig ist: Sie müssen nicht die Expertin oder der Experte für die genaue Demenzform sein. Das ist Aufgabe von Fachärzten und Gedächtnisambulanzen. Für Ihren Alltag zählt vor allem eines: dass Sie früh wahrnehmen, wenn sich etwas verändert – und Unterstützung suchen, wenn der Alltag für Ihren Angehörigen oder für Sie selbst schwieriger wird.

Falls Sie sich mehr Sicherheit im Umgang mit Veränderungen wünschen, kann unser Online-Kurs „Menschen mit Demenz“ sehr hilfreich sein. Er erklärt in ruhigem Tempo, was im Alltag wichtig wird, und stärkt Sie in Ihrer Rolle als Angehörige oder Angehöriger.

Senior mit Demenz versucht zu puzzlen

Fazit: Alzheimer und Demenz verstehen – für mehr Sicherheit im Pflegealltag

Wenn sich ein vertrauter Mensch verändert, entstehen schnell Unsicherheiten. Die Begriffe Alzheimer und Demenz werden oft durcheinandergebracht – und genau deshalb hilft es, die Grundlagen wirklich zu verstehen. So können Sie besser einordnen, was Sie im Alltag beobachten.

Demenz ist ein Oberbegriff für verschiedene Erkrankungen, die Denken, Erinnern und Orientierung beeinträchtigen können. Alzheimer ist die häufigste Form davon und zeigt sich meist zuerst durch Gedächtnisprobleme. Andere Demenzformen, wie die vaskuläre Demenz, verlaufen oft anders – zum Beispiel mit Schwierigkeiten in Aufmerksamkeit oder Planung.

Ob es sich um Alzheimer, eine andere Demenzform oder etwas ganz anderes handelt, klären Fachärztinnen und Fachärzte. Sie müssen diese Aufgabe nicht allein tragen.

Und ebenso wichtig:
Sie müssen diesen Weg nicht alleine gehen.
Es gibt Beratungsstellen, Entlastungsangebote und Menschen, die Sie begleiten – Schritt für Schritt, im eigenen Tempo und immer mit Blick auf Ihre persönliche Situation.


💜-liche Grüße 

Häufig gestellte Fragen: Unterschied zwischen Alzheimer und Demenz

Ist Alzheimer immer eine Demenz?

Ja. Alzheimer ist die häufigste Form der Demenz. Jede Alzheimer-Erkrankung ist also eine Demenz – aber nicht jede Demenz ist Alzheimer.

Was ist der wichtigste Unterschied zwischen Alzheimer und Demenz?

Demenz ist ein Zustand beziehungsweise ein Oberbegriff, Alzheimer eine konkrete Diagnose. Alzheimer entsteht durch Eiweißablagerungen im Gehirn, andere Demenzformen haben andere Ursachen.

Kann man Alzheimer sicher erkennen?

Eine sichere Diagnose stellt immer ein Arzt beziehungsweise eine Ärztin. Erste Hinweise sind Gedächtnisstörungen, Wortfindungsprobleme und zunehmende Unsicherheit im Alltag. Bildgebung und Tests helfen, die genaue Demenzform festzustellen.

Wie unterscheidet man Alzheimer von vaskulärer Demenz?

Alzheimer beginnt meist schleichend und betrifft früh das Gedächtnis.
Vaskuläre Demenz beginnt oft plötzlich oder stufenweise und zeigt häufiger Probleme bei Aufmerksamkeit, Planung und Orientierung.

Ist Demenz heilbar?

Die meisten Demenzformen – einschließlich Alzheimer – sind nicht heilbar. Es gibt jedoch Medikamente, Therapien und Alltagsstrategien, die den Verlauf verlangsamen und die Lebensqualität verbessern können.

Ab wann sollte ich ärztlichen Rat suchen?

Wenn Sie merken, dass der Alltag Ihres Angehörigen dauerhaft schwieriger wird, Gespräche ständig vergessen werden oder deutliche Verhaltensänderungen auftreten, ist eine ärztliche Abklärung sinnvoll. Je früher, desto besser.
Isabell Jungesblut
Zur Autorin

Isabell Jungesblut

EXAMINIERTE GESUNDHEITS- UND KRANKENPFLEGERIN
Als Expertin für Gesundheits- und Krankenpflege bringt Isabell Jungesblut umfangreiche Erfahrungen aus der Akutversorgung aber auch aus der vollstationären Langzeitversorgung mit. Hier im Pflege ABC teilt sie ihr umfangreiches Wissen mit Ihnen, um die Pflege für Sie zu erleichtern.
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